Senden Sie uns gern Ihre Anfrage / Nachricht:

Testamentsgestaltung in Patchworkfamilien

Die Anzahl der sog. Patchworkfamilien steigt in Deutschland stetig. Dies sind Familien, in denen Kinder aus verschiedenen Beziehungen leben und großgezogen werden.

 

In erbrechtlicher Hinsicht sollten unter diesen Begriff weiterhin solche Familien fallen, in denen sich ein Elternteil (z.B. nach dem Tod des Ehegatten) wieder verheiratet hat, ohne dass ein Zusammenleben mit den (z.B. schon erwachsenen) Kindern stattgefunden hat.

So unterschiedlich und bunt die Konstellationen, insbesondere hinsichtlich der emotionalen Bindung zwischen den beteiligten Familienmitgliedern auch sein mögen, haben sie eines gemeinsam: die gesetzliche Regelung zur Erbfolge wird all diesen Familien nicht gerecht.

Ein Beispiel:

 

Mann M und Frau F leben und wirtschaften seit 10 Jahren gemeinsam. M hat ein eigenes Kind A und besitzt ein hohes Bankvermögen. F hat zwei Kinder B und C und ist Eigentümerin des Hauses, in dem alle fünf wohnen. F verstirbt, ohne ein Testament errichtet zu haben. Waren M und F nicht verheiratet, wird F nun allein von ihren Kindern beerbt. M und A haben keinerlei Ansprüche – auch nicht im Haus zu bleiben. Waren M und F verheiratet, wird F von ihren leiblichen Kindern zu jeweils ¼ und von M zu ½ beerbt. Auch das Haus gehört ihnen nun zu dritt. Nach dem Tod des Mannes beerbt ihn nach gesetzlicher Erbfolge nur sein eigenes leibliches Kind. Die Immobilie gehört dann allen Stiefgeschwistern zu dritt – das Geld des M erbt A allein.

Das Beispiel macht deutlich, welche widerstreitenden Interessen bei der Nachlassgestaltung einer Patchworkfamilie auftreten und durch eine gute Nachlassplanung geregelt werden sollten.

 

Soll der (Ehe-)Partner Erbe werden oder nur abgesichert werden?

Soll er über ererbtes Vermögen frei verfügen und neu testieren dürfen?

Soll das Vermögen nur an die eigenen Kinder gehen oder sollen alle Kinder ggf. gleichanteilig bedacht werden?

 

Für unsere Beispielsfamilie sollen hier nur drei Möglichkeiten skizziert werden, welche durch ein Testament der F erreicht werden könnten:

  • Der Partner - M - wird als Alleinerbe eingesetzt und die eigenen Kinder mit Vermächtnissen bedacht. Die leiblichen Kinder – im Beispiel B und C – könnten die Immobilie als Vermächtnis erhalten. Die Immobilie bliebe in der (eigenen) Familie, obwohl der Partner Erbe würde. Ein Wohnrecht zu seinen Gunsten könnte zusätzlich seinen Verbleib (mit A) in der Immobilie absichern

  • Der Partner - M - wird zwar als Alleinerbe, aber nur als sog. Vorerbe eingesetzt. Das Vermögen, welches er von F ererbt hat, geht dann nach seinem Tod direkt an die von F eingesetzten Nacherben. Dies können B und C (und auch A) sein.  Auch welche Rechte M während der Phase der Vorerbschaft haben soll, kann testamentarisch weitestgehend geregelt werden.

  • B und C werden von F als Erben eingesetzt. M erhält jedoch ein Versorgungsvermächtnis und ein (lebenslängliches) Nießbrauchsrecht an der Immobilie. M könnte auch als Testamentsvollstrecker und somit als Vermögensverwalter eingesetzt werden.

 

Selbstverständlich gibt es weitere Möglichkeiten und viele weitere Aspekte, welche bei der Testamentsgestaltung im konkreten Fall erörtert werden müssen:

 

Es sind Pflichtteilsansprüche zu bedenken und steuerliche Aspekte abzuwägen.

Es kann ein gemeinschaftliches Testament bei Ehegatten sinnvoll sein oder ein Erbvertrag geschlossen werden, bspw. in Verbindung mit Erbabsicherungshypotheken im Grundbuch.

Es muss gesondert berücksichtigt werden, wenn auch gemeinsame Kinder vorhanden sind. Sofern Kinder bereits volljährig sind, könnten diese - z.B. durch Pflichtteilsverzichtserklärungen - in die erbrechtliche Gestaltung mit einbezogen werden.

So haben alle Patchwork-Konstellationen auch dies gemeinsam: sie sollten ihre Nachfolge aktiv gestalten und dafür rechtskundige Beratung in Anspruch nehmen.